Sempach, Rathaus

540 Jahre Baugeschichte

In keinem andern Gebäude im Städtli Sempach konzentrieren sich die historischen Bauteile und die reiche Ortsgeschichte so dicht und prominent wie im Rathaus. Das national bedeutende Kulturgut war 2012/2013 Schauplatz ortsbild- und denkmalpflegerischen Wirkens und wurde in dieser Zeit umgebaut und restauriert. Das Ergebnis respektiert die verschiedenen Bauphasen der langen Geschichte des Hauses und fügt eine aktuelle hinzu.

Äusserlich fällt die seeseitige Lamellenfassade auf. Unter jüngeren Verschalungen kam eine Fachwerk-Konstruktion zum Vorschein mit Elementen aus allen wichtigen Bauphasen. Diese interessante „Geschichte“ im doppelten Sinn des Wortes entpuppte sich als sehr fragil. Verformte und zum Teil beschädigte Hölzer aus sechs Jahrhunderten, bröckelnde Ausfachungen und Hilfskonstruktionen verlangten an dieser wetterexponierten Seite nach Schutz. Wegen fehlender Anhaltspunkte auf eine frühere Öffnungsstruktur kam eine konventionelle Bauweise (Fensterläden und deckende Verschalung) nicht in Frage. Sie hätte zwar den Witterungsschutz gewährleistet, gleichzeitig aber wieder Eingriffe in die historische Substanz zur Folge gehabt und nur eine pseudo-geschichtliche „Erfindung“ bedeutet. Um den neuen Nutzerbedürfnissen (Aussicht, Beschattung, Verdunkelung) und der Bedeutung des Ortsbilds zu genügen musste nach unkonventionellen Lösungen gesucht werden.

Der grossflächige „Vorhangs“ aus hölzernen Lamellen entspricht der Logik der Situation. Durch diese Gestaltungsweise wird nicht nur die Einfachheit der Rückfassade auf zeittypische Art charakterisiert, sondern es können auch weitere, sich aus der Nutzung ergebende Anforderungen wie die Sicht auf den See und die stufenlose Regulierung der inwendigen Lichtverhältnisse abgedeckt werden. Die Art der Montage tangiert die historische Substanz nicht und das Öffnungssystem der unterschiedlich breiten Lamellen lässt einerseits die Baugeschichte ablesbar erscheinen und sorgt andererseits für ein anspruchsvolles, der Architektur des Rathauses angemessenes und die Entstehungszeit repräsentierendes Zeichen im Ortsbild.

Architektur:

Gerold Kunz, Ebikon

Ausführung:

Patrik Ziswiler und Christian Huber, A6 Architekten AG, Buttisholz

Denkmalpflegerische Begleitung:

Claus Niederberger / Hans-Peter Ryser