Beromünster, Stiftstheater und Schol

Im Fokus zwischen Chorherrenstift und Flecken

Schol und Stiftstheater, die beiden Häuser am oberen Ende des Fleckens, gehören zu den bedeutendsten Bauten in Beromünster.  Erste Erwähnungen der beiden Objekte  finden sich bereits in mittelalterlichen Dokumenten. Die heutigen Häuser sind aber jünger: Das Stiftstheater stammt  im Wesentlichen aus der frühen Neuzeit. Mittels Dendrochronologie (Jahrringanalyse der Balken) kann ein Baudatum um 1523 angenommen werden. Die Schol wurde 1738 weitgehend neu errichtet.

Stiftstheater

Das heutige Stiftstheater diente wie bereits der Vorgängerbau als Brotschol, Kornhaus und vermutlich Weinkeller. Die Brotschol im Erdgeschoss war der Getreide- und Brotmarkt und wurde später Kaufhaus genannt. Hangseitig waren die Kellerräume eingetieft. Der grosse Saal über der Brotschol ist vom 16. bis zum 18. Jahrhundert nicht nur als Kornspeicher, sondern  auch als Tanzlaube bekannt. Auch im Dachgeschoss befanden sich Speicherböden. Nach dem Ende des Ancien Régime verlor das Stift die wichtigsten herrschaftlichen Rechte wie Zehnten und Bodenzinse. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die bisherigen Nutzungen aufgegeben. Im Erdgeschoss bewahrte man nun die Stiftskanonen und später auch Feuerwehrmaterial auf. Das Obergeschoss wurde ausschliesslich dem Theatergeschehen dienlich gemacht.

Schol

Die Schol hatte zwei Vorgängerbauten mit gleicher Nutzung. 1588 wurde das ehemalige Kammergebäude mit der Fleisch-Schol (Metzgerei) im Erdgeschoss abgerissen und gänzlich neu gebaut. Ein repräsentativer Blickfang mit grossen Laubenvorbau und Mittelerker zierte nun den Flecken. Merians Stich zeigt diesen malerischen Bau. Zur gleichen Zeit wurde die alte Scholstiege als Steintreppe erneuert. Über dem Erdgeschoss befanden sich die Tuchlaube (Tuchhandel) und wohl die Lateinschule. 1738 war dieses Gebäude baufällig und wurde durch den heute leicht veränderten Bau ersetzt. Metzgerei und Schule mussten im Verlauf des 19. und 20. Jahrhundert andern Nutzungen weichen.
Die besondere Stellung der beiden Bauten zwischen Stift und Flecken, repräsentiert nicht nur räumlich eine Schnittstelle zwischen kirchlichem und weltlichem „Gebiet“ sondern zeigt in Geschichte und Funktion die beiden Welten, die sich hier trafen und über die Jahrhunderte immer wieder aufs Neue verflochten. Beim Fleckenbrand von 1764 sind glücklicherweise beide Häuser erhalten geblieben.

Theatertradition im Stift

Die lange Theatertradition des Stifts kann bis um 1560 zurückverfolgt werden. Während früher kirchliche Stücke aufgeführt wurden, standen seit dem 19. Jahrhundert auch weltliche Produktionen auf dem Programm: Gleich zwei Gesellschaften sorgten ab 1805 für eine veritable Theaterbegeisterung im Flecken. Sie initiierten die Zweiteilung der ehemaligen Tanzlaube in Bühnenraum und Zuschauertribüne. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Theater zum Kulturraum und Versammlungslokal der Gemeinde und der Mittelschule.
Der jüngste Umbau wurde mit namhafter finanzieller Unterstützung der Kantonalen Denkmalpflege und der zuständigen Stelle des Bundes geplant und durch die Wey Architekten und Jäger/Egli AG ausgeführt. Der Umbau des Stiftstheaters zu einem Theater- und Kulturhaus im weiteren Sinn stellt eine glückliche Fügung dar und schliesst nahtlos an die seit beinahe fünf Jahrhunderten verbürgte Nutzung an. Das heutige Konzept sieht auch eine Vermietung der multifunktionalen Räumlichkeiten für Anlässe gesellschaftlicher oder geschäftlicher Art vor.