Buttisholz, Kapelle St. Ottilien

Zur Gesamtrestaurierung der Wahlfahrtskapelle St. Ottilien in Buttisholz

Die St. Ottilien-Kapelle gehört zu den besonders eindrucksvollen Baudenkmälern in der Luzerner Landschaft.

Die Kapelle steht als kleines, aber auffallendes Monument am Rand des gleichnamigen Weilers, an leicht erhöhter Lage ausserhalb des Dorfes Buttisholz. Zum Speziellen dieses Bauwerkes gehört seine architektonische Konzeption. Sie beinhaltet einen Zentralbau, der im Grundriss auf einem griechischen Kreuz aufgebaut ist, mit einem achteckigen Mittelraum und geschlossener Kuppel, dem in den vier Mittelachsen vier kleinere Raumeinheiten vorgebaut sind. Die Dimensionen dieses Bauwerkes basieren in der Grundfläche auf einem Quadrat von 16 m x 16 m und einer Bauhöhe vom Boden bis zur Turmspitze von rund 22 m.

Der Baukörper eines Zentralbaues gilt seit der Antike als eine vollkommene Architekturform. Im Frühmittelalter und in der Romanik ist der Zentralbau das geheiligte Schema für Taufkirchen, Pfalz- und Totenkapellen. Die stärkste Verbreitung fand der sakrale Zentralbau in Europa im Barock im Zeitraum von 1660 bis 1710. Damals wurde auch die heutige St. Ottilienkapelle errichtet. In unserer Region existieren als sakrale Zentralbauten neben St. Ottilien noch die Wahlfahrtskapelle St. Anna in Grafenort von 1689 mit einem ebenfalls achteckigen Schiffsraum und als runder Zentralraum die moderne Kapelle auf der Alp Trübsee von 1935.

Der Erbauer der St. Ottilienkapelle ist der Luzerner Hans Thüring Feer. Er hat 1669 den Luzerner Architekten Jost Melchior zur Gilgen mit dem Neubau dieser Kapelle beauftragt. Als Form für den Grundriss diente das griechische Kreuz; die kubischen Formen und die Gestaltungen des Kuppeldaches und des Glockenturmes beinhalten ungewohnte byzantisierende Formen mit bayrisch-böhmischen oder auch venezianischen Einflüssen. Das Bauwerk beinhaltet damit neben den damals traditionellen regionalen Gestaltungsformen auch Elemente des europäischen Gestaltungsvokabulars und ist deshalb auch eine wertvolle Bereicherung unseres historischen Baukulturerbes.

Auch im Innern sind eine Vielfalt von baulichen Umwandlungen im Verlauf der Jahrhunderte erfolgt. Dazu gehören die Ergänzung des Gewölbes und der Wände mit farbigen Rokokostuckaturen Mitte 18. Jahrhundert, die im Verlauf der Zeit wiederholt neu gefasst worden sind. Die drei Glocken im Turm dokumentieren im Dreiklang das 16., das 19. und das 20. Jahrhundert. Glücklicherweise blieb vom Vorgängerbau der Kapelle die wertvolle gotische Figur der Patronin St. Ottilia aus dem 15. Jahrhundert erhalten. In der aktuellen Gesamtrestaurierung waren Bauschäden zu sanieren. Die starken Raumverrussungen waren aufwendig zu reinigen und deren Ursachen mit flankierenden Vorsorgemassnahmen so gut wie möglich zu beheben.

Dass die St. Ottilienkapelle heute wieder in voller Pracht als besondere und einmalige Perle des Sakralbaues unsere Kulturlandschaft bereichert, ist der Verdienst von vielen guten, besorgten Institutionen, Organisationen und Gönnern. Die Gesamtrestaurierung erfolgte mit fachlicher und finanzieller Unterstützung von Kanton und Bund.