Kriens, Alters- und Pflegeheim Grossfeld

Für die Kantonale Denkmalkommission ist die Schutzwürdigkeit des charakteristischen Sichtbetonbaus der 1960er-Jahre klar ausgewiesen. Gleichzeitig hält sie jedoch fest, dass die Anlage für eine zeitgemässe Pflege über massive Defizite und Mängel verfüge. Diese könnten nur durch tiefgreifende Veränderungen der Baustruktur und einen Rückbau auf den Rohbau behoben werden. Deshalb entschied die Kommission nicht auf einen Unterschutzstellungsantrag einzutreten.

Schutzwürdigkeit
Beim Alters- und Pflegeheim Grossfeld, zwischen 1966 und 1968 erbaut, handelt es sich um eine konsequent gestaltete Sichtbetonkonstruktion im funktionalen Architekturstil der 1960er-Jahre. Die Anlage, ein Frühwerk des Luzerner Architekten Walter Rüssli, besticht durch das Wechselspiel von skulpturalen Formen und klaren Strukturen, von offenen und geschlossenen Fassaden, unterschiedlichen Bauvolumen und den Einbezug der Umgebung. Ein Gutachten des Architekturhistorikers Michael Hanak, Zürich,  bestätigt die Schutzwürdigkeit des typischen Baus der Nachkriegsmoderne.

Machbarkeitsstudie Grossfeld
In der Machbarkeitsstudie, welche die Gemeinde Kriens im Jahr 2011 in Auftrag gegeben hatte, wird insbesondere darauf verwiesen, der in den 1960-er Jahren erstellte Baukomplex zahlreiche, einschneidende Mängel aufweist, die eine zeitgemässe Langzeitpflege verunmöglichen. Davon seien nur einige wenige aufgezählt: Keine rollstuhlgängigen Duschen und WC‘s, Rangieren ist mit Pflegebetten in den Korridoren und Zimmern nicht möglich, zu wenig und zu kleine Nasszellen, keine Aufenthaltsräume auf den Etagen usw. Die notwendigen Anpassungen würden tiefgreifende Veränderungen der Raumstrukturen erfordern. Die kantonale Denkmalkommission konnte sich im Rahmen eines Augenscheins vor Ort selber vom Zustand und den bestehenden Mängeln überzeugen. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie liess der Gemeinderat Kriens auch verschiedene Nutzungsoptionen prüfen und kam zum Schluss, dass ein Ersatzneubau unter Berücksichtigung der geforderten Heimplätze und der Kosten die optimalste Variante darstelle.

Interessenabwägung
Für die Kantonale Denkmalkommission ist die Schutzwürdigkeit des charakteristischen Sichtbetonbaus der 1960er-Jahre klar ausgewiesen. Gleichzeitig hält sie jedoch fest, dass die Anlage für eine zeitgemässe Pflege über massive Defizite und Mängel verfüge. Diese könnten nur durch tiefgreifende Veränderungen der Baustruktur und einen Rückbau auf den Rohbau behoben werden.

Nach einer sorgfältigen Interessenabwägung überwiegt für die Kantonale Denkmalkommission das öffentliche Interesse, die an zentrale Lage gelegene Liegenschaft auch in Zukunft für die Langzeitversorgung Gesundheit und Alter der Gemeinde Kriens zu nutzen gegenüber dem öffentlichen Interesse des Erhalts des schützenswerten Kulturdenkmals. In diesem Sinne hat die Kantonale Denkmalkommission entschieden, nicht auf einen Unterschutzstellungsantrag der Fachstelle einzutreten. Eine Analyse der Prozesse zeigt, dass der Einbezug der Kantonalen Denkmalpflege verspätet erfolgte. Der Gemeinderat und die Kantonale Denkmalpflege sind deshalb überein gekommen, dass die Kantonale Denkmalpflege inskünftig frühzeitig in die Prozesse mit einbezogen werden soll, um partnerschaftlich einvernehmliche Lösungen zu ermöglichen.