Das Bauinventar der Stadt Luzern liegt vor

Die Stadt Luzern gehört mit ihrer Altstadt, den mondänen Hotelbauten am See, den grossbürgerlichen Villen am Musegg-, Säli- und Dreilindenhügel sowie und den vielen herausragenden Mietspalästen aus der Zeit um 1900 im Hirschmatt- und Bruchquartiert zu den bedeutendsten historischen Ortsbildern der Schweiz. Entsprechend sorgsam und mit einem hohen Bewusstsein für ihr baukulturelles Erbe pflegt die Stadt ihre Kulturdenkmäler. Zu den bestehenden Instrumenten der Ortsbildschutzzonen A und B und den bereits kantonal geschützten Objekten kommt neu das kantonale Bauinventar hinzu. Die fachlichen Arbeiten daran sind abgeschlossen. 796 Gebäude sind als schützenswert und 1125 als erhaltenswert eingestuft worden. Das Bauinventar ist zum einen eine wichtige Grundlage, um die architektonischen Schätze zu erhalten. Zum anderen ist es ein wichtiges Instrument im Baubewilligungsverfahren.

Der Kantonsrat hat 2009 die Schaffung eines lückenlosen, kantonalen Bauinventars beschlossen. Entsprechend wird seit Frühling 2010 durch die Denkmalpflege der gesamte Baubestand des Kantons Luzern gemeindeweise erfasst, beschrieben und bewertet. Für die Stadt Luzern hat das städtische Ressort Denkmalpflege und Kulturgüterschutz zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege diese Aufgabe übernommen und die Inventarisation durchgeführt. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen und Anfangs Mai wurden die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer über den Eintrag Ihrer Liegenschaft informiert und zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Schätze unserer Baukultur

Das Bauinventar soll auf die zahlreichen, im Alltag oft nicht wahrgenommenen Schätze unserer Baukultur aufmerksam machen. Ist ein Gebäude im Bauinventar erfasst, heisst dies, dass das Haus ein wertvoller Bau von historischer und architektonischer Bedeutung ist oder auch im Stadtbild eine wichtige Stellung einnimmt. Sein Erhalt ist anzustreben und Veränderungen sind mit grosser Sorgfalt und Rücksicht auf die historische Substanz vorzunehmen. Mit dem Bauinventar soll aber auch die Planungs- und Rechtssicherheit für die betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer erhöht werden. Es ist diesbezüglich für alle Beteiligten ein wichtiges Instrument im Baubewilligungsverfahren. Für die bewerteten Objekte gilt kein Bauverbot. Umbauten, Sanierungen und Renovationen müssen aber sehr behutsam durchgeführt werden. Bei den erhaltenswerten Gebäuden ist die städtische, bei den schützenswerten und bei den Baugruppen die kantonale Denkmalpflege ins Bewilligungsverfahren einzubeziehen.

Konkret sind im Bauinventar 796 städtische Objekte als schützenswert eingetragen, erhaltenswerte Objekte sind im Bauinventar deren 1125 aufgeführt. Mit dem Eintrag ins kantonale Bauinventar werden die insgesamt 1921 erfassten Objekte nicht unter Schutz gestellt. Für die Betroffenen ändert sich deshalb vorerst nichts, auch deshalb, weil die Mehrheit der erfassten Gebäude in den beiden städtischen Ortsbildschutzzonen A oder B liegen und bereits heute verschärften Schutzbestimmungen unterliegen. Der Baubestand der Alt- und Kleinstadt sowie des Hofbezirks zum Beispiel ist durch die Ortsbildschutzzone A geschützt. Durch diesen umfassenden Schutz ist die Ortsbildschutzzone A (mit Ausnahme der bereits geschützten Gebäude) nicht Teil des Bauinventars, das Gebiet soll aber zu einem späteren Zeitpunkt erfasst werden.

Eigentümer werden informiert

Die Eigentümerinnen und Eigentümer jener Gebäude, die im Bauinventar aufgeführt sind, mit einem Brief informiert und zu Informationsveranstaltungen eingeladen worden. Diese Anlässe finden am 23., 29. und 30. Mai sowie am 6. Juni 2017 statt. Über das Inventar und dessen Konsequenzen werden Baudirektorin Manuela Jost und Mathias Steinmann, Leiter Bauinventar beim Kanton Luzern informieren. Über den Sommer 2017 werden allfällige Rückmeldungen der Eigentümerinnen und Eigentümer bearbeitet und das Bauinventar bereinigt. Im Herbst 2017 soll es in Kraft treten. Zu diesem Zeitpunkt sind für die Öffentlichkeit auch Stadtrundgänge geplant.

Der Anteil an schützenswerten und erhaltenswerten Bauten ist in der Stadt Luzern mit 17,4 Prozent aller Gebäude hoch. Luzern ist damit im kantonalen Vergleich Spitzen-reiterin vor Ermensee (14,1 Prozent), Sursee (12,9 Prozent) Beromünster (11,9 Prozent) und Sempach (10,3 Prozent). Ein Grund dafür ist die historische Bedeutung Luzerns als politisches und wirtschaftliches Zentrum mit entsprechend vielen repräsentativen Bauwerken. Hinzu kommt der hohe Stellenwert des Tourismus, der schon früh zur Wertschätzung des historischen Gebäudebestandes und auch zu einer grossen Zahl von architektonisch herausragenden Hotel- und Tourismusbauten führte. Erwähnenswert ist auch der grosse Baubestand zwischen 1850 und 1920. In dieser Zeit ist die Stadt Luzern stark gewachsen. Ein weiteres Merkmal ist der hohe Anteil an kleinen Wohnbauten mit hochwertiger Architektur. Sie sind ein Spiegel des wirtschaftlichen Erfolgs des Luzerner Bürgertums.